Markus Heidmeier

Journalismus, Medienentwicklung, Fussball, Politik und wichtige Themen

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Tag: TV

Männer, Mäntel, Mythen

Der Dokumentarfilm „Das Ende des Politbüros“ – Versuch eines Psychogramms der SED-Führungsclique. Protagonisten und Randfiguren erzählen von den letzten Monaten der SED-Spitze. Politbüromitglieder wie Schabowski, Schürer und Krenz bieten Innenansichten in die atemberaubende Hermetik eines Führungszirkels. Äußerungen damaliger Beobachter wie Honeckers Leibwächter eröffnen dem Zuschauer zusätzlich Einblicke, die Befunden in pathologische Beziehungsstrukturen innerhalb des Politbüros gleichen. Gefangene ihrer damaligen Rollen bleiben fast alle. Mit der individuellen Mythenbildung der damaligen Akteure beschäftigte sich der Dokumentarfilm „Das Ende des Politbüros“ am Mittwochabend auf arte.

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KongressRadio und KongressTV im Kasten

Das Geschichtsforum 2009 in Berlin war eine Art Volksuniversität. Ausstellungen, Vorträge, Podien, Workshops etc. Mit der Kooperative Berlin habe ich das KongressRadio & TV zum Festival gemacht. Täglich ein Radiomagazin und abends eine Videoausgabe. Hier gibt es alle Beiträge im Überblick. Die Seite ist leider etwas unzulänglich. Die Videos gibt es auf FriedlicheRevolution.de.

Bodyrecycling

„Dinge die man tun kann, wenn man tot ist“. Körperspender. Leichname. Maden. Präparatoren. Crashtestdummies. Das sind die Protagonisten des Dokumentarfilms von Tanja Hamilton. Was geschieht mit den Körpern, die die Toten, als sie noch lebten, in ihrer letztwilligen Verfügung den anatomischen Instituten und forensischen „Bodyfarmen“ zur Verfügung stellten? Der Frage folgt der Dokumentarfilm nach Kiel, Tennesse und Marseille.

Ein seltsames, beängstigendes, aber auch heiter absurdes Gefühl nachts vor dem TV-Gerät zu liegen, halbwegs gesund, mit einem Körper in dem eine Lunge atmet, ein Herz schlägt, die Extremitäten mit warmem Blut versorgt werden und zu sehen, wie Körper aufgeschnitten, zergliedert werden oder vorsetzlich auf Wiesen verwesen oder als Crashtestdummies benutzt werden.

Es stellt sich die Frage nach dem Körper/Seele-Verhältnis, nach dem eigenen Tod, nach Würde und Erlaubtem.

Tanja Hamilton geht mit gespielter Naivität auf die Reise. Es macht Freude ihrer heiter-lakonischen Recherche zu folgen. Denn das Gezeigte ist abgründig genug.

T-Mobile-Spot gesehen, geweint

Eine dezente, aber sympathische Landschaft. Natur. Regen. Irgendwo in der westlichen Welt. Im Auto eine hübsche, aber sympathische junge Frau. Im Radio ein sehnsüchtiges, aber sympathisch trauriges Liebeslied. Gegenschnitte auf einen gitarrespielenden jungen Mann, Marke H&M-Melancholiker, aber sympathisch. Ankunft. Umarmung. Das Autoradio war das Mobiltelefon. Nabelschnur einer großen Liebe. Die Standleitung zwischen zwei Liebenden dank Flatrate und Co. Das Gehirn glaubt dem Spot und gibt das Kommando „Rührung, weinen“ aus. Dann folgt die Scham.

httpv://de.youtube.com/watch?v=bStsJnBwRfU

Auf der Suche nach postmodernem Horror ist man hier am Ziel. Keiner der Beteiligten hatte zu irgendeinem Zeitpunkt Wahrhaftigkeit, Berührung, Liebe als Antriebskraft der Werbespotproduktion. Es, die Liebe, war immer nur Hebel eines strategischen Denkens. Der Rezipient erkennt und kann dennoch die Tränen nicht unterdrücken.

Zuflucht

ON

ein über Skandinavien liegendes Tief

spielen sie mit und gewinnen sie mit

ist hier der Eingriff in das Zellinnere

nie war er so wertvoll wie heute

lauten die Prognosen für das Wachstum der Erdbevölkerung

wie aus der Hauptstadt berichtet wird

sprich nur ein Wort

deckt den täglichen Vitaminbedarf

k.o. nach einer klassischen Rechten

in unserer Reihe Festspielpanorama

mit Hilfe von Satellitenaufnahmen

Lach- und Sachgeschichten

auf der Jahrespressekonferenz

senden wir eine Wiedrholung aus dem Jahre

der offenbar geistig verwirrte Mann

durch die revolutionäre Sechszylindertechnik

aus Anlaß des hundertsten Todestages

unser Korrespondent in Tokio

zum Sendeschluß nun die Nationalhymne

diese Bilder der Voyagersonde

996 Ruf! Ruf mich an!

so wird meine Seele gesund

OFF

5-6-97 (nachts, nach sieben Stunden)